Vaovao / Neues: Madagaskar im Wandel

Madagaskar ist im Wandel. Die Vereidigung von Oberst Michael Randrianirina als neuen Präsidenten der Republik am 17. Oktober 2025 markiert eine neue Ära in der Zeitgeschichte Madagaskars. Das Ende der Ära Andry Rajoelina (2009-2025) kam einerseits unerwartet, hätte andererseits aber schon längst geschehen sollen.
…………………………………………………………….. Voa Hartmann, im Dezember 2025

Zitat von Marie Aimé Joël Harison:
„Die über Jahre zunehmende Unzufriedenheit der Bevölkerung Madagaskars mit ihrer Regierung, die zu wenig gegen die Armut und die Unsicherheit im Land unternommen hat, wurde letztlich durch die massiven Defizite in der Strom- und Wasserversorgung verstärkt. Wahlmanipulationen, Korruption, Instrumentalisierung der Justiz für politische Zwecke, insbesondere gegen Mitglieder der Opposition, und das zunehmend gewaltsamere Vorgehen von Polizei und Gendarmerie gegen friedliche Demonstrationen, das die Positionierung der Miltärstreitkräfte auf die Seite der Protestierenden und zum Schutz der Bevölkerung veranlasste, führten schließlich zum Ende der politischen Ära Rajoelinas.


Das unvermeidliche Krisensystem. Madagaskar ist ein Schnellkochtopf, der schon mehrmals explodiert ist … Die letzte Explosion erfolgte 2025. Maximale Verarmung, ein mittelloser Staat … Und vor allem ein Bruderkrieg zwischen den Vertretern der Elite.


Die Frage lautet nun: Jetzt, wo es geknallt hat, was kommt als Nächstes?????“

(Marie Aimé Joël Harison, geboren 1961 in Antananarivo, studierte Musik- und Politikwissenschaft an der Universität Wien. 1997 hat sie das Studium der Musikwissenschaft absolviert und zwei Jahre danach das Studium der Politikwissenschaft. Im Anschluss arbeitete sie parallel an den Dissertationen über die Musikgeschichte und die Aussenpolitik Madagaskars. Seit 2005 ist sie Lehrbeauftragte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.)

Besuch der Schule, Oktober 2025

Leider waren keine Schüler*innen in der einzigen offiziellen Primarschule des Quartiers Marohoho anwesend, als wir im Oktober 2025 die Schule besuchen konnten. Der Unterricht wurde wegen den Demonstrationen gegen das korrupte Regime von Präsident Rajoelina für 2 Wochen von staatlicher Seite ausgesetzt (die Privatschulen im gleichen Quartier waren trotzdem offen).
Die Schüler*innen fehlten uns; die leere Schule zu besichtigen erlaubte uns hingegen, die Atmosphäre der Räumlichkeiten und deren Zustand genauer auf uns wirken zu lassen. Für uns war es in jedem Raum unvorstellbar, dass sich bis zu 45 Kinder in diese Bänke und Zimmer zwängen können.
Die Gestaltung der Zimmer war sehr unterschiedlich. Vorwiegend im ersten Stock der Schule wurde mit einfachsten Mitteln eine Lernumgebung gestaltet, die auf uns sehr freundlich wirkte. Die Schulzimmer im Parterre waren dagegen leider sehr düster und fast nicht gestaltet. Wir führten das auf unterschiedlich engagierte Lehrer*innen zurück.

Zudem konnten wir feststellen, dass das Dach dringend einer Reparatur bedarf, damit die Wände und der Fussboden nicht noch mehr durch Feuchtigkeit beschädigt werden. Und, die Regenzeit ist schon ganz nah. Zum Glück ist es Voahangy Hartmann im Sommer gelungen, zumindest alle Fenster reparieren zu lassen, sodass die Kinder weniger frieren werden.

Die Schule braucht weiterhin finanzielle Unterstützung, um die Gebäude so zu sanieren, dass der Schulunterricht weiter gehen kann. Die «Küche» und daneben einen Leseraum mit Bibliothek einzurichten, sind die nächsten Projekte des Gemeindepräsidenten, der uns die Besichtigung ermöglichte.
Jeder auch noch so kleine Beitrag wird direkt eingesetzt werden – vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Oktober 2025, Text: Ivana Dubsky, Fotos: Eddie Hessler

Politische Situation 2025

Die Hauptstadt Antananarivo erlebt seit dem 25. September anhaltende Proteste der Generation Z (GenZ). Auslöser sind Strom- und Wasserausfälle sowie der grosse Unmut über die Regierungsführung. 

Ich zitiere: „Wir jungen Menschen fordern Strom und Wasser. Wir fordern unsere Meinungsfreiheit. Wir sind gegen Machtmissbrauch, gegen Korruption, gegen die Missachtung der Menschenrechte und gegen andere Bedrohungen, denen die Madagassen ausgesetzt sind“ und „Madagaskar verdient ein besseres Leben, ein weitaus besseres als das derzeitige. Denn derzeit sind wir nur arme Menschen, die auf Reichtümern sitzen. Es ist an der Zeit, aufzustehen“ erklären sie.

Die neuesten Zahlen zeigen, dass 43,1 % der Kinder im Grundschulalter keine Schule besuchen. In diesem Sinne schrieb Hemerson Andrianetrazafy: „Verzichten Sie nicht auf Bildung! Es ist nun erwiesen, dass Madagaskar einen kulturellen Niedergang erlebt, weil wir es nicht geschafft haben, würdige Bürger hervorzubringen.“ 

Die Demonstranten fordern den Rücktritt des Präsidenten. Seit Beginn der von der Online-Bewegung GenZ ins Leben gerufenen Bewegung wurden mindestens 22 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Alle seit langem bestehenden Missstände der Gesellschaft sind an die Oberfläche gekommen, und es zeichnet sich eine echte Infragestellung des derzeitigen soziopolitischen Systems ab. Die Art und Weise der Regierungsführung und das Ausbleiben konkreter Ergebnisse der derzeitigen Machthaber werden von allen Schichten der Gesellschaft kritisiert.

Eine Lösung ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht, da der korrupte Präsident sich an seinen Sitz klammert. Er hat auch die Gendarmerie und eine Privatmiliz auf seiner Seite.
………………………………. Voahangy Hartmann, persönliche Einschätzung

Antananarivo im Aug/Sept 2025

Der jährliche Besuch von Voa Hartmann bei unseren Projekten in Antananarivo fand dieses Jahr von Ende August bis Mitte September statt. Sie hatte Kontakt zu beiden Projekten und kann folgendes berichten:

Projekt Primarschule in Marohoho / Antananarivo
Insgesamt haben 290 Schüler*innen alle notwendigen Schulmaterialien (Bleistifte, Hefte, Kugelschreiber, Radiergummis, Geometrie-Set usw.) für das neue Schuljahr erhalten. Ebenfalls haben wir Unterrichts- und Lehrmaterialien den 12 Lehrer*innen zur Verfügung gestellt. Wir haben auch das Monatsgehalt der sechs ehrenamtlichen Lehrer*innen um € 10.00 erhöht. Von nun an verdienen sie (ein Jahr lang) € 30.00 im Monat. Das scheint lächerlich wenig, ist aber dennoch eine grosse Hilfe im Alltag. Ebenfalls haben wir die Putzmittel für die neuen Toiletten für 12 Monate hinterlegt. Lehrer*innen und Schüler*innen sorgen dafür, dass alles sauber erhalten bleibt. Nochmals herzlichen Dank für Ihre grosszügigen Spenden. Dank Ihrer Hilfe konnten wir unser Ziel erreichen – alles Schulmaterial einkaufen und das macht einen echten Unterschied für unsere Schüler*innen.

Wir konnten zudem die Reparatur des Parkettbodens und der Fenster durchführen: Es wurden die beschädigten Parkettböden und 23 zerbrochene Fensterscheiben ersetzt. Diese Kosten waren nicht im Budget 2025 vorgesehen, aber die Reparaturen waren und sind weiterhin (Dach, siehe unten) dringend. Wir danken schon jetzt für spontane und grosszügige Spenden!

Die Ursache des Wasserlecks auf dem Dach konnten wir leider noch nicht genau identifizieren. Man sieht Feuchtigkeitsspuren an Decken und Wänden, sichtbaren Schimmel, abblätternde Aussenfarbe. Wir sind noch daran, eine Lösung zu finden sowie einen Kostenvoranschlag bis Ende Oktober einzuholen.

Projekt Bienenhonig
Unsere alleinerziehenden Mütter haben dieses Jahr 27 Liter Honig produziert. Im letzten Moment (vor Rückreise) konnte ich die abgefüllten Gläser an die «Boutique Lisy» liefern. Pro Liter bekommen die Frauen nun 35’000ar (ca. € 6.80). Der Preis ist deutlich gesunken, da der Wettbewerb hart ist. 

Anstehende Arbeiten

Ein Teil des Daches der Schule hatte dieses Jahr während der Regenzeit (von Januar bis März) ein erhebliches Leck, so dass zwei Klassenzimmer nicht genutzt werden konnten. Die Schüler*innen mussten sich die verbliebenen Klassenräume teilen, was dann aber die Unterrichtszeit verkürzte.
Die meisten Fensterscheiben der Klassenzimmer sind zerbrochen. In den letzten beiden Unterrichtsmonaten (Mai und Juni) froren deshalb die Schüler*innen, da der Winter hier in Madagaskar langsam Einzug hielt – dies wirkte sich dann auf die Konzentration und die Leistung der Schüler*innen aus.
Die Kostenvoranschläge für beide anstehenden Arbeiten werden im September 2025 eingeholt.

Zudem sind einige Parkettböden in den Klassenzimmern beschädigt. Bislang gab es keine grösseren Zwischen- oder Unfälle und die Renovierung steht auf unserer Pendenzenliste.

Tonga Soa / Willkommen

Willkommen auf unserer neu erstellten Website des Vereins SATA – wer wir sind und was wir machen, könnt ihr über die Navigationsleiste links genauer erkunden. Ein Schulprojekt für Kinder aus einem Armenviertel in der Hauptstadt Madagaskars und ein Honigprojekt für alleinerziehende, mittellose Frauen sind unsere Schwerpunkte und Anliegen.

Hier auf dieser Eingangsseite erhaltet ihr immer die neuesten Infos zum Verein SATA und zu den unterstützten Projekten. Eine Beschreibung der Projekte könnt ihr separat mit den eigenen „links“ über die Navigationsleiste abrufen. Dort findet ihr auch einen „link“ zu den Spendenangaben, denn nur mit Spenden können wir die Projekte weiterführen. Aktuell ist der Bedarf recht gross, das Budget aber noch immer recht klein: es wäre schön, wenn wir uns zukünftig noch stärker engagieren könnten.

Madagassisches Sprichwort über Solidarität

„HAZO TOKANA TSY MBA ALA“
heisst übersetzt:
„EIN EINZELNER BAUM ERGIBT NOCH KEINEN WALD“